Vorderösterreichischer Stadtrundgang
Die vorderösterreichische Vergangenheit ist vielfach gegenwärtig in Rottenburg. Wenn man vom Römer-Museum, wo üblicherweise die Stadtführungen beginnen, die Treppe hoch geht, steht man vor dem Ritterbrunnen (1), einem Symbol der österreichischen Landeshoheit.
Gegenüber ragt der Staffelgiebel des ehemaligen Jesuiten-Kollegs auf, das kurz nach dem 30-jährigen Krieg erbaut worden ist. Die Jesuiten, aus dem württembergischen Tübingen vertrieben, erfüllten den hohen Erziehungsanspruch der österreichischen Regierung. Heute ist es das Verwaltungsgebäude der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das Bischöfliche Ordinariat (2).
An dem Pflegehof des Klosters Kreuzlingen (3) vorbei, dem heutigen Polizeirevier, steht man vor dem Turm der Bischofs-Kirche St. Martin (4), der, wie auch der schöne gotische Marktbrunnen (5), im 15. Jahrhundert errichtet worden ist.
Durch Weinbau erlebte Rottenburg im 15. Jahrhundert eine absolute Blütezeit. Erzherzog Sigismund von Tirol ließ seine Hochzeit in Innsbruck mit Wein aus Rottenburg ausrichten, und selbst das Kaiserhaus in Wien bezog Rottenburger Wein. Eine Klimaverschlechterung ließ den Weinbau zurückgehen und zwei verheerende Stadtbrände haben die Stadt in Schutt und Asche gelegt.
Im 30-jährigen Krieg, der an sich schon viel Elend gebracht hat – die Pest raffte ¼ der Bevölkerung dahin, zweimal wurde die Stadt überfallen und geplündert – ist Rottenburg zum ersten Mal fast vollständig abgebrannt. Die Leute sollen teilweise über zehn Jahre in den Kellern gehaust haben. Nach dem zweiten Stadtbrand 1735 konnte die Stadt schneller wieder aufgebaut werden, weil die österreichische Regierung sehr großzügig Bauholz aus dem Stadtwald zur Verfügung gestellt hat.
Auch das Rathaus (6) musste neu errichtet werden, natürlich durch einen österreichischen Baumeister – Johann Felder aus Vorarlberg. Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde ebenso das Spital (7). Nur die Haus-Kapelle hat den zweiten Stadtbrand überstanden. Sie stammt noch aus der Zeit des Vorgängerbaus von 1560.
In einheitlichem Barockstil neu erbaut wurde auch das Karmeliter-Kloster. In dessen Konventsgebäude befindet sich heute das Priester-Seminar, und in dessen Kirche die Diözesan-Bibliothek und das Diözesan-Museum (8), mit einer hochkarätigen Dauerausstellung sakraler Kunst vom 8.-20. Jahrhundert und wechselnden Themen-Ausstellungen.
Der Rundgang auf den österreichischen Spuren endet an der Zehntscheuer (9), dem historisch-herrschaftlichen Finanzamt, gekennzeichnet durch das Erntewappen mit dem österreichischen Doppeladler. Die Zehntscheuer ist heute Kulturzentrum und Sülchgau-Museum, mit der Dauerausstellung „Vorderösterreich 1381 – 1806“.
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