Innenstadtberatungsprozess mit der IHK Reutlingen in Rottenburg am Neckar

Was läuft gut in der Rottenburger Innenstadt? Wo gibt es Verbesserungspotential? Antworten auf diese und weitere Fragen wurden in einem umfangreichen Maßnahmenkatalog für die Rottenburger Innenstadt zusammengefasst.

Die Rottenburger Innenstadt ist für Autofahrer gut erreichbar, der Wochenmarkt wird positiv wahrgenommen und das Parkplatzangebot ist im Allgemeinen gut! Das sind 3 wichtige Ergebnisse einer Passantenbefragung in Rottenburg am Neckar. Auch die Parkgebühren und die Vielfältigkeit der Veranstaltungen wurden von den Passanten positiv hervorgehoben. Als verbesserungswürdig angesehen werden hingegen die Begrünung und das Einzelhandelsangebot; teilweise auch die Parkgebühren, die Familienfreundlichkeit sowie das Verweilangebot.

Die Passantenbefragung gehört zu einem umfangreichen Innenstadt-Check, bei dem rund 100 Personen direkt angesprochen und befragt wurden; außerdem gab es eine Passantenfrequenzmessung und eine Online-Befragung mit 1.276 Datensätzen. 28,4% der Passanten besuchen die Innenstadt täglich, 44,1% wöchentlich. Zudem sind Zeitungen, Magazine und das Internet die am häufigsten genutzten Informationsmedien der Passanten. Bei der Onlinebefragung ist Social Media mit 60,3% der Medien die am meisten genutzte Antwort.

Der Innenstadtcheck ist Teil des Förderprogramms „Innenstadtberater“ der IHK Reutlingen, den auch Rottenburg nutzt. Er bietet die Möglichkeit, umfangreiche Innenstadtchecks durchzuführen und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu diskutieren. Gefördert werden die Workshops und Erhebungen vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg.

In Rottenburg mitgewirkt haben Vertreter der Stadtverwaltung und WTG, Mitglieder des Gemeinderats, des Handels- und Gewerbevereins und verschiedener Organisationen, die für die Innenstadt relevant sind, wie Stadtbibliothek und Bürgerstiftung.

Auf die Kick-off-Veranstaltung folgte ein Innenstadtspaziergang in Kleingruppen, im Rahmen dessen die positiven und negativen Eigenschaften der Rottenburger Innenstadt gesammelt und erörtert wurden. Es folgte eine Strukturanalyse hinsichtlich Bevölkerung, Altersstruktur und dem Wanderungssaldo. Selbstverständlich wurden auch die Einzelhandelsdaten und die Kaufkraftkennziffern mit berücksichtigt. Das Ergebnis zeigt ein leichtes Bevölkerungswachstum, einen positiven Wanderungssaldo sowohl im Familien- als auch im Bildungsbereich.

Bei der Passantenbefragung konnten die überwiegend älteren Besucher*innen der Innenstadt erreicht werden, bei der Onlinebefragung die jüngeren Bewohner*innen. Die große Mehrheit der Befragten kam aus dem Landkreis Tübingen, jedoch reichte die Herkunft der Befragten auch über Baden-Württemberg hinaus. Bei der Passantenbefragung war die Gesamtattraktivität mit 2,7 deutlich besser bewertet als bei der Onlinebefragung mit 4,03 (Skala von 1 sehr gut bis 6 sehr schlecht). Im Vergleich zu 85 anderen Städten in Baden-Württemberg befindet sich Rottenburger hier im Mittelfeld (Platz 42).

Die IHK Reutlingen führte auch eine Betriebsbefragung in der Innenstadt durch. Mit 196 erfassten Betrieben, davon 67 Einzelhändlern, 57 Dienstleistungen, 41 Gastronomien, 17 Leerständen, 9 Sonstigen und 4 Beherbergungen konnte eine gute Datengrundlage erreicht werden. Die Leerstandsquote liegt demnach bei 8,7%. Die Betriebe wünschen sich mehr Parkplätze und Marketing, einen verbesserten Branchenmix und eine verbesserte Barrierefreiheit. Zudem sollte es mehr Angebote für junge Leute geben und mehr Angebote nach 16 Uhr. Die Zusammenarbeit mit dem Eigenbetrieb WTG wurde positiv hervorgehoben, die Zusammenarbeit wird jedoch als verbesserungswürdig bewertet.

Ein Digitalisierungscheck der Mitarbeiterinnen der IHK Reutlingen schloss die Analysephase ab. Zwei Drittel der Betriebe besitzen eine Website mit Kontaktangabe, 14 Betriebe haben einen eigenen Online-Shop und fast alle Betriebe haben einen Google-Eintrag, allerdings werden die Funktionen nur sehr wenig genutzt. Die Social Media Aktivitäten sind eher mittel/Gering und werden produktorientiert genutzt.

Diverse Maßnahmen wurden anhand der Analysephase und der eigenen Erfahrungen sowie des Stadtspaziergangs von der Projektgruppe entwickelt. Die Projektideen werden nun hauptsächlich von der Stadtverwaltung, WTG und IHK Reutlingen umgesetzt, in enger Abstimmung mit den weiteren Innenstadtakteuren. Workshops zur digitalen Sichtbarkeit und SEO, Social Media und der Contentpflege werden von der IHK Reutlingen angeboten – der erste Workshop zu Google-Unternehmensprofilen fand bereits statt, weitere Workshops und Sprechstunden folgen (25.6. und 9.7. 18:30 Uhr Instagram-Workshopreihe, 10.9. und 19.9. 18:30 Uhr Strategien für mehr Sichtbarkeit).

Die Projektidee des Pop-up-Stores wurde von der WTG parallel zum Innenstadtberatungsprozess bereits umgesetzt, dieser bereichert seit April bis mindestens Ende des Jahres die Marktstraße. Durch den Pop-up-Store entstand auch die Idee von WTG und anliegenden Betrieben, die Marktstraße mit bunten Lampions zu schmücken.

Die Verschönerung der Innenstadt durch Begrünung und mehr Sitzmöglichkeiten, beispielsweise rund um die Josef-Eberle-Brücke und auf den verschiedenen Plätzen, befindet sich momentan in stadtinterner Abstimmung. Ebenfalls wird geprüft, ob eine digitale Beschilderung in der Innenstadt bei der angespannten Haushaltslage finanziell umsetzbar ist.

Spielmöglichkeiten in der Innenstadt sollen die Kinderfreundlichkeit erhöhen. Diese werden nach dem Neckarfest im Bereich der Bahnhofstraße angebracht. Ebenfalls wird momentan ein Spielzeugverleih mit einem Rottenburger Kindergeschäft entwickelt. Zudem nimmt die WTG an den Kinder- und Jugendforen der Abteilung Jugend des Amts für Bildung, Kultur und Sport teil, die im Rahmen des Stadtjubliäums in der Festhalle stattfinden und bei denen alle Rottenburger Schulen vertreten sind. Gemeinsam mit den Schüler*innen sollen deren Wünsche und Anregungen für eine attraktive Innenstadt gesammelt werden.

Weitere Themen waren das Veranstaltungsangebot in der Rottenburger Innenstadt, der Wochenmarkt und die Hochschule für Forstwirtschaft. Bei diesen Themen sind interne Abstimmungsrunden geplant, die Projekte werden zu gegebener Zeit veröffentlicht.

Bürgermeister Dr. Hendrik Bednarz freut sich über die gewonnen Impulse: „Durch den Prozess der IHK Reutlingen haben wir nun eine fundierte Grundlage für unsere weiteren Überlegungen zur Attraktivitätssteigerung der Rottenburger Innenstadt. Wir sind stadtverwaltungsintern in engem Austausch, die WTG hat bereits viele Projekte umgesetzt und geplant und ist sehr bemüht, gemeinsam mit den Innenstadtakteuren weitere Aktionen umzusetzen. Mit dem professionellen Eigenbetrieb haben wir einen kompetenten Ansprechpartner für alle Innenstadtbelange.“